Spaziergang über das
Kumbh Mela Gelände ..... Teil 1

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Sangam:
Herzstück der Kumbh Mela

Das Herzstück des 14 km² großen Melageländes ist der Sangam, das ist die Landzunge am Zusammenfluß des Ganges und der Yamuna. Die Yamuna kommt von nördlich gelegenen Bergen, fließt durch Delhi und erreicht Allahabad mit blaugrünem Wasser. Der Ganges kommt aus dem Himalaya, er wird zum Bewässern von landwirtschaftlichen Flächen ausgebeutet, in Kanpur durch Industrieabwässer kräftig verschmutzt und erreicht Allahabad als graubraune, reißende Brühe. Im Januar und Februar benehmen sich beide Flüsse anständig, fließen brav in ihrem Flußbett dahin. Das ändert sich schlagartig, wenn im Sommer der Monsunregen niederprasselt, dann schwellen beide Ströme an und treten über ihre Ufer und beanspruchen ein vielfach breiteres Flußbett. In Allahabad ist dieses Flußbett dann über einen Kilometer breit.

Zeltstadt im Hochwasserbett

In diesem Flußbett, überwiegend entlang dem Ganges, ca. 5-6 Kilometer flußaufwärts und ebenso in Richtung der Stadt Allahabad, befindet sich das Melagelände. Das Hochwasserbett ist mit feinstem Staub bedeckt, den Ablagerungen des Flusses. Dies bedeutet bei Regenwetter Matsch und bei Sonnenschein Staubwolken. Im Januar, Februar 2001 fiel kein Regen und deshalb gibt es Staubwolken, aufgewirbelt von Millionen rastloser Füße.

 

Shopping für die Pilger

Findet, egal wo auf dieser Welt, ein religiöses Fest statt, so hat der Pilger nach spiritueller Betätigung den Wunsch nach weltlicher Zerstreuung, Unterhaltung und sonstigem nützlichen Tun (= shopping gemeint). So findet er auch hier ein großes Kirmesangebot, mit Riesenrädern, Schaukeln, Akrobaten und Schaustellern, abseits einige unterhaltsame Geschichtenerzähler und lange Budenstraßen mit endlosen Verkaufsständen. Das Warenangebot richtet sich nach der überwiegend angereisten Landbevölkerung, Zaumzeug für Pferde und Kamele, Töpfe, Pfannen, Feldgeräte und die neueste Kollektion von Unterwäsche. Kilometerlang sind die Wege, die Sonne heiß und der Staub dicht, so dass eine kleine Runde für mich persönlich ausreichend ist. Ausgelassene Kirmesfreuden werde ich auf dem Oktoberfest nachholen.

Man meint es ist nichts los

Es ist ganz eigenartig, kommt man an einem "normalen Tag" auf das Gelände ist im Prinzip nicht viel los, es sind ja auch nur 4-5 Mio. Menschen anwesend. Man kann hingehen wohin man will, wird nicht gestoßen, getreten und geschubst, kann stehen bleiben wo man will, ohne von den Massen mitgezogen zu werden. Man hat richtige Freiräume und Muse alles in Ruhe zu betrachten. Anders ist es an den "großen Badetagen", das Gelände ist weiträumig abgesperrt, die letzten 5 Kilometer sind zu Fuß zurückzulegen, die Massen werden in Einbahnwegen kanalisiert, ein Ausbrechen verhindern die Polizisten, stehen bleiben ist nicht möglich, dafür werden 20-30 Mio. (am 21.04.2001) fast unfallfrei durch das Gelände geschleust. Auch eine Leistung.

Überwiegend Landbevölkerung angereist

Nach meiner persönlichen Einschätzung ist überwiegend Landbevölkerung angereist. Immer in Gruppen unterwegs, sich gegenseitig an Händen oder an der Kleidung festhaltend, um ein Verlieren zu vermeiden, mit großen dunklen Augen die fremde, vielleicht auch unheimliche Welt betrachtend. Ihre Kleidung zeugt ebenfalls davon, dass sie vom Lande kommen, viele der Frauen sind an den Füßen mit dicken Silberringen geschmückt. Alle Altersklassen sind vertreten, Säuglinge die noch gestillt werden und Oma´s und Opa´s auf den Schultern von kräftigen jungen Männern.

Auf dem Gelände wird ein freier Fleck belegt und mit selbst mitgebrachtem Stroh und/oder Decken zum "Hotel" umgebaut. Der Ofen (= 3 Ziegelsteine) mit getrocknetem Kuhdung angeheizt und sofort Tee gekocht, später eine Mahlzeit zubereitet und dann sitzen sie in langen Reihen oder Gruppen zusammen und essen gemeinsam. Ich schaue ihnen zu und sie schauen mir zu beim fotografieren. Der bunte Pilgerwimpel wird inmitten der Gruppe in den Sand gepflanzt: "hier sind wir, hier treffen wir uns wieder nach dem Bad im Ganges".

Tag und Nacht ist Badezeit

Das Bad im Ganges findet täglich, zu jeder Tages- und Nachtzeit statt. Normalerweise bleibt genügend Bewegungsraum. Anders ist es an den großen Badetagen, wenn 10 oder 20 Mio. ihr Bad nehmen wollen.
Die Verhältnisse am Gangesufer sind so hergerichtet,dass 20.000 Menschen gleichzeitig in das Wasser können, d.h. mit anderen Worten, dass an den Ufern und im Wasser dichtestes Gedränge herrscht.

Klar, jeder ist versucht bei der Morgenkälte möglichst angezogen,nahe an das Ufer heranzukommen, um die letzten "unbekleideten" Meter möglichst kurz zu halten.

Die Männer gehen voran und in ihrem "Windschatten" folgen Frauen und Kinder. Die Männer steigen in Unterhosen ins Wasser, die Frauen in ihren Sarees. Es wird mehrmals untergetaucht und einige Tropfen heiliges Gangeswasser getrunken und anschließend auch noch in einem Plastikkanister abgefüllt, für die Verwandtschaft zuhause. Wieder am Ufer wickeln sich die Frauen aus den nassen Sarees in trockene ein. Anschließend sieht man tausende von bunten Sarees im Wind flattern. Ein typisches Melabild!

Bademeister an den Ufern

Die Organisation hat alles getan um Unfälle zu vermeiden und so sitzt alle 20 Meter ein "Bademeister und Aufpasser" in einem Boot mit Schwimmreifen und Lautsprechertüte. Viele Pilger lassen sich mit dem Boot auf der Yamuna zum Sangam rudern, die Preise sind vergleichsweise zum November um etwa das 10-fache gestiegen. Ganze Clans sitzen in Holzbooten die von zwei Ruderern bewegt werden. Tausende von Booten sind unterwegs. Ziel ist die Flussmitte, hier sind die Brahmanenpriester vor Anker gegangen und halten ihre Zeremonien auf dem Ganges ab.

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