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Vieles
in Indien ist einfacher als in Europa aber einige Dinge, die in Europa
einfach sind, sind in Indien schwierig, z.B. wenn Touristen einen Platz
in einem AC-Schlafwagen benötigen, zudem noch zu Zeiten eine rush-time.
Man benötigt eine Vorreservierung, die es nur an einem bestimmten
Ort und bestimmten Schalter, zu einer bestimmten Zeit gibt. Die Plätze
sind rar und man muss zeitig buchen. Dies alles erledigt ein Agent für
"faule" Touristen.
Abfahrt des Zuges, mit der Nr. 4056 und dem Namen Brahmaputra am 20. Januar
um 21.00 Uhr, Railwaystation Old Delhi. Zwei Stunden vor der Zeit rollt
das Taxi vor und für die relativ kurze Strecke vom Hotel zum Bahnhof
quält sich das Auto eine Stunde durch das Verkehrsgewühl. Das
Gewühle findet auf dem Bahnhofsvorplatz seine Fortsetzung, nun sind
es allerdings keine Autos und Rikschas mehr, die den Raum eng machen,
sondern die Gepäckträger, die mit aller Macht einen Touristenkoffer
zu ergattern suchen und das alle gleichzeitig. Nach einer hektische Phase
kommt langsam Ruhe in die Angelegenheit und es werden Gepäckträger
ausgewählt, die Zugnummer, Fahrtziel und Abfahrtszeit angegeben und
der Preis ausgehandelt.
Auf dem Weg zu den
Bahnsteigen ist die Schalterhalle zu durchqueren, in der Tausende von
Menschen in Gruppen am Boden liegen oder sitzen. Es summt wie in einem
Bienenhaus und für die Reisenden sind schmale Wegekorridore zwischen
den Menschenleibern freigehalten. Diese Menschen haben bereits ihr Nachtquartier
in der Schalterhalle aufgeschlagen, sie werden hier übernachten.
Wer zu spät kommt, muss draußen bleiben und die Nächte
können in Delhi, im Januar verdammt kalt sein.
Ein Strom von Reisenden wälzt sich über die Gleisbrücken
zu den Bahnsteigen. Nun muss man folgendes wissen, die Fernzüge sind
länger, die Waggons sind breiter und zumindest einheimische Reisende
werden enger gestapelt als in Europa. D. h. nun, dass pro Zug 3.000-4.000
Reisende befördert werden, die alle auf dem Bahnsteig auf den Zug
warten. Der Bahnsteig hat zudem auch noch zwei Gleise gleichzeitig zu
bedienen, d.h. die Wartemenge kann sich verdoppeln. Die Bahnsteige sind
zwar ungefähr auch doppelt so breit wie in Europa, aber wenn sich
einige tausend Reisende mit Gepäck auf dem Bahnsteig treffen, dann
wird es eng, zumal einige Leute der Meinung sind, die Wartezeiten nur
liegend überstehen zu können und seelenruhig innerhalb der Massen
auf dem Boden liegend, Tiefschlafen. Man ist also in der Menge eingekeilt
und begrenzt bewegungsfähig, mit Gepäck praktisch immobil.
Der Zug, manchmal auch pünktlich, fährt langsam in den Bahnhof
ein, ständig laut tutend, ähnlich einem Schiffshorn. Die
Menge wird unruhig und wabert, es wird noch enger. Der Zug hält,
die Wartenden stürzen und drängen sich zu den sich öffnenden
Türen und versuchen in das Waggoninnere zu gelangen, aber diejenigen
die drinnen sind, sind noch nicht draußen, ...
Tja und jetzt zahlt sich aus, wenn man auf dem Bahnhofsvorplatz die "richtig
guten" Gepäckträger angeheuert hat. Die Profis setzen einen
genau an der Stelle des Bahnsteigs ab, an der der richtige Wagen hält
und pressen sich ohne Rücksicht auf andere in den Waggon und bringen
das Gepäck zur richtigen Schlafpritsche, derweil kann man das Chaos
an sich vorüber gehen lassen. Soweit zumThema richtige Auswahl des
Porters.
Auf dem Bahnsteig
angekommen erwartete mich eine Überraschung. Inmitten des Chaos,
zumindest habe ich das so empfunden, erspäht der Reisende eine große
schwarze Tafel, an der Computerausdrucke hängen, das Namensverzeichnis
der Reisenden in den Schlafwägen. 
Name, Vorname, Geschlecht, Alter von-bis, prima ist das, so weiß
man gleich im vorhinein, mit welchem Namen man seinen Bettnachbar ansprechen
muss und dass sie weiblich ist, 65 Jahre alt und von Delhi nach Kanpur
mitfährt. Das fand ich in diesem Augenblick unglaublich. Da waren
auch mein Vorname, Alter ... etc. etc..
Indien überrascht mich immer wieder aufs Neue.
Schlafwägen 2.
Klasse sind an und für sich eine feine Sache, zwei Pritschen übereinander,
Bettwäsche, Leselicht und Ventilator. Die Bettanordnung quer zur
Fahrtrichtung und über den Gang herüber noch ein Bett längs.
Die
Indischen Waggons sind zwar breiter, aber ein Bett zusätzlich längs
geht nur, wenn am Querbett an der Länge gespart wird, mit anderen
Worten, das Bett war zu kurz für mich, Körper ausstrecken nicht
möglich, macht auch nichts, habe ja genug Lesestoff bei mir.
Der benachbarte Waggon ist der Küchenwagen. Ein komplette Küche
mit Gasbefeuerung wird mitgeführt und es wird richtig gekocht darin.
Die Reisenden können ein Essen auswählen, das hurtig die Bedienungen
herbeischaffen. Dies ist für die Leute die Hunger haben ein Vorteil,
für die, welche schlafen wollen ein Nachteil, denn mein Waggon ist
Durchgangsstraße für die Kellner und es geht die ganze Nacht
zu, so wie auf dem Stachus. Nach eingehender Besichtigung der rollenden
Küche habe ich meine mitgebrachten Früchte verzehrt.

Es gibt für jeden Schlafwagen einen seriösen, älteren Schlafwagenschaffner,
der mein Ticket prüft, Delhi - Allahabad, 627 km, 834 Rupees (21
Rupees = 1 DM) , geplante Fahrtzeit von 21.00 Uhr bis 4.00 Uhr, einspricht
7 Stunden. Die tatsächliche Fahrtzeit entsprach 10 Stunden, die Ankunft
in Allahabad 7.00 Uhr morgens. Es ist noch dämmrig, es ist noch kalt
und von hunderten von Feuern, an denen sich reisende Pilger auf dem Bahnhofsvorplatz
und auf den Straßen wärmen, liegt der Rauch in der Luft, wie
Nebel an einem Herbstmorgen. Es ist Hektik angesagt, anreisende Pilger
(und ich) treffen auf geschäftstüchtige Allahabader, die wissen
was müde Reisende am Morgen brauchen. Das besondere Interesse wurde
mir zuteil, als einzigem ausländischen, und damit nach Meinung der
Allahabader zahlungskräftigen Kunden. Das hatte den unschätzbaren
Vorteil, dass ich Ruck Zuck eine Rikscha hatte, die mich zuverlässig
und ohne die üblichen "Sperenzchen" zu meinem Hotel brachte.
...In diesem Fall war mir der Fahrpreis wirklich nebensächlich.
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