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Die größte Menschenansammlung aller Zeiten
innerhalb weniger Tage nehmen 70 Millionen Hindus ihr heiliges Bad.

Ein Reisebericht in Bildern und Texten von Heinz Eisele.

Ein Rundgang über die Kumbh-Mela

24 Januar: ..... mittendrin,
Kalt war die Nacht im Zelt auf dem Mela-Gelände, ...sehr kalt und laut - dank ständiger schriller Lautsprecherdurchsagen, welche die Nacht zerrissen.
Übernächtig stolpere ich ins Dunkel, ... 5 Uhr morgens.
Nur schemenhaft nehme ich endlose Kolonnen von Menschenleibern war, alle bepackt, nur das Ufer des heiligen Ganges als Ziel vor Augen.
Befehlsgebell allgegenwärtiger Polizisten, sie versuchen dem Strom von Millionen Menschen eine Richtung zu geben - an diesem Tag werden es zwischen 20 und 30 Millionen Pilger sein.
Am Flussufer angekommen ist es vor lauter Menschen nicht zu erkennen.

Erste Lichtstreifen des neuen Tages sind am Horizont zu erkennen und das Spektakel, das Bad der nackten Sadhus, Babas, der einzelnen Akharas und Nagas beginnt. Die Menschen drängen an die Absperrzäune heran, um näher an den heiligen Männern zu sein.

Ich mitten drin! Ich überlege ob ich in Panik ausbrechen soll?
Warum ...? Zum einen nicht rechtzeitig in Schussposition zu kommen, zum anderen in der Menge erdrückt zu werden.
Nein, keine Panik, Dank meiner beiden indischen Guides bin ich, ... weiß nicht wie, in die vorderste Linie gelangt, nur durch eine Polizeikette von den Sadhus getrennt. Die Pilger rufen: "Har har Ganga, bam bam bhole" (hoch lebe die Mutter Ganga, laßt sie uns feiern), oder "Ganga Mai Ki Jaii" (Sieg der Mutter Ganga).

Fasziniert vom Anblick der archaischen Prozession, vergesse ich fast zu fotografieren.
Auf einmal, ohne Vorwarnung, drehen einige Nagas durch und rennen mit ihren Schwertern und Dreizacken auf uns Fotografen zu und stechen auf uns ein.
Ein indischer Kollege bricht blutüberströmt zusammen, ein Dreizack hat ihn voll im Gesicht getroffen, aber er wird tapfer von seinen Kollegen verteidigt.
Die Polizei schaut zu und traut sich nicht gegen die "heiligen Männer" einzuschreiten.
Blitzschnell habe ich den Rückzug angetreten und genauso meine ursprüngliche Position wieder eingenommen.
Doch nun stehen vier, orangerot gekleidete Babas neben mir, einen fünften tragen sie in ihrer Mitte. Sie legen ihn inmitten der Menschen auf den Boden, mit Blick auf die Sahdus und Nagas und auf die "Mutter Ganga". Sie haben ihn zum Sterben hergebracht.
Die höchste Erfüllung für einen Hindu ist, an einem heiligen Tag, zur heiligen Stunde, an heiliger Stelle (Sangam), mit Blick auf die heiligen Männer und den heiligen Fluss Ganges zu sterben.

Ich bin tief bewegt, erlebe seine letzten Atemzüge mit, sein Sterben und das Schließen seiner Augen.
In dieser Zeit nehme ich nur noch - inmitten der ganzen Menschenmassen - diese fünf Menschen wahr.
Sein Körper wird noch am Abend verbrannt und die Asche in den Ganges gestreut.
Seine Seele ist vielleicht, unter Umgehung weiterer Wiedergeburten, direkt ins Nirwana eingegangen.

An diesem Abend liege ich noch lange wach!

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